Diabetes und Führerschein: Zum ersten Mal wegen Diabetes geweint

Ich habe noch nie geweint, weil ich Diabetes habe. Heute war das erste Mal. Ich habe erfahren, dass ich, um die Erlaubnis zu bekommen, Führerschein  zu machen, mindestens 300 Euro für ein spezielles Gutachten über meine Fahrtauglichkeit bezahlen muss.

Ich sehe ein, dass ein solches Gutachten notwendig ist, denn natürlich kann ein unbemerkter Unterzucker beim Autofahren ein Risiko für die Verkehrssicherheit sein, und ein nicht unerhebliches. Erst seit dem 1. Mai 2014 müssen Diabetiker durch ein verkehrsmedizinisches Gutachten ihre Fahrtauglichkeit beweisen – hier findet Ihr einen Bericht des Verbandes „Menschen mit Diabetes“ zum Thema.

Kosten: Bis zu 1000 Euro!

Was mich so wütend und traurig macht, ist die Tatsache, dass ich dieses Gutachten aus eigener Tasche bezahlen muss. Ich habe glücklicherweise eine Ärztin gefunden, bei der es „nur“ um die 300 Euro kostet, ich habe jedoch im Netz Berichte gefunden, dass sich die Kosten für das Gutachten auf bis zu 1000 Euro belaufen können. Denn die Kosten erhebt der begutachtende Arzt sozusagen als Privatbehandlung, und dieser legt den Preis selbst fest. Der Arzt darf nicht der eigene Diabetologe sein, sondern es muss ein unabhängiger spezialisierter Arzt mit verkehrsmedizinischer Zusatzausbildung sein. Einen solchen findet man in Berlin zum Beispiel hier bei der Ärztekammer; unten auf „Verkehrsmedizinische Sachverständige“ klicken. Bei Klick öffnet sich ein PDF, in dem man relativ bequem einen Arzt mit Fachkenntnissen zum Thema Diabetes findet. Oder man nutzt die deutschlandweite Arztsuche der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, wo man „Verkehrsmed. Gutachter“  in der Suchmaske anklicken kann.

Benachteiligung Behinderter

An dieser Stelle merke ich wieder, dass auch wie Diabetiker von der Benachteiligung behinderter Menschen betroffen sind. Ich empfinde es als absolut ungerecht, dass ich nun mindestens 300 Euro bezahlen muss, um die Erlaubnis zu erhalten, Führerschein zu machen. Meine Meinung ist, dass es der Gesellschaft es wert sein sollte, diese Extra-Kosten für Benachteiligte zu tragen. Wir haben ja schon diese Krankheit, die echt kein Spaß ist – da ist es doch absolut fies, dass wir das Gutachten für unsere Fahrtauglichkeit selbst bezahlen müssen.

Hinzu kommt auch meine plötzliche Befürchtung, dass man mir eventuell die Fahrtauglichkeit absprechen könnte, obwohl ich meinen Diabetes doch gut im Griff habe, und die verdammte Zeit, die mich das wieder kostet. Ausgerechnet jetzt vor Weihnachten, wo ich sowieso schon viel zu viel zu tun habe.

Was prüft der Gutachter?

Ich habe mich natürlich schlau gemacht, was bei dem Gutachten auf mich zukommt und was die Kriterien für die Verkehrstauglichkeit von Diabetikern sind. In gewisser Weise liegt es ja auf der Hand: Man muss natürlich Unterzucker erkennen und behandeln können.

Konkret heißt dies, dass die Wahrnehmung für Unterzucker ungestört sein sollte; ob eine leichte Wahrnehmungsstörung, wie ich sie habe, ein Hinderungsgrund ist, wird sich zeigen… Denn bei mir treten ja auch die Symptome wie Zittern und gestörtes Konzentrationsvermögen erst auf, wenn die Werte so niedrig sind, dass ich den Unterzucker merke.

Weil ein unbemerkter Unterzucker  zu schweren Unfällen mit Eigen- und Fremdverletzung führen kann, darf in den letzten 12 Monaten nicht mehr als ein Unterzucker aufgetreten sein, bei dem der Diabetiker Hilfe von außen benötigte, wie Oliver Ebert auf seinem Blog „Diabetes und Recht“ berichtet. Die ist bei mir Gott sei Dank nicht der Fall, hier werde ich also bestehen.

Für andere Führerschein-Klassen wir z.B. LKW und Bus gelten strengere Auflagen, die Ihr hier bei „Menschen mit Diabetes“ nachlesen könnt.

Der Praxis-Mitarbeiter der Gutachterin sagte mir auch am Telefon, der HbA1C solle möglichst nicht über 7 liegen. Dies ist bei mir Gott sei Dank auch der Fall.

Was muss man zum Gutachter mitbringen?

Wie man sich denken kann, sollte man sein Diabetes-Tagebuch und Befunde des eigenen Diabetologen mitbringen, aus denen die HbA1C-Werte möglichst der letzen 12 Monate hervorgehen. Außerdem habe ich mir den augenärztlichen Befund schicken lassen.

Ich habe meinen Gutachter-Termin am Freitag, dann werde ich berichten, wie es gelaufen ist, und was der/die Gutachterin wissen wollte.

 

 

 

 

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