Junkie-Feeling

Manchmal liegen Spritzen rum. Jedenfalls bei mir als Diabetikerin, obwohl ich eine Insulinpumpe trage. Naja, auch ich benötige nur im äußersten Notfall eine Spritze, zum Beispiel, wenn die Pumpe kaputt geht (was durchaus vorkommt), oder wenn ich vergessen habe, Schläuche nachzubestellen und das Rezept an der Pinnwand vor sich hingammelt. Gestern musste ich aber wieder mal im Badschrank nach einer Spritze kramen, und das aus einem wirklich dummen Grund:

Verquatschen bei der Ärztin

Ich war bei meiner Ärztin gewesen und diese wollte ursprünglich die Blutzuckerwerte aus der Pumpe auslesen, um sie zu besprechen. Also gab ich ihr die Pumpe. Dann verquatschten wir uns aber über meiner Sensor-Bestellung (don’t ask, never-ending story), die nun bereits fast ein Jahr zurückliegt, und wir vergaßen darüber die Pumpe.

Pumpe weg, Pens weg

Als ich am späteren Abend zu Hause saß, genüsslich ein Wurstbrot verspeiste und kauend  nach der Pumpe fummelte, um mir den Bolus zu setzen, stellte ich fest, dass die Pumpe nicht da war. Au weia. Die Pumpe war bei der Ärztin geblieben. Und es war schon nach 20 Uhr. Ein Blick in den Kühlschrank der nachlässigen Diabetikerin zeigte: Es war auch kein Notfall-Pen mit Langzeit-Insulin mehr da, geschweige denn mit kurz wirkendem Insulin. Die alten, abgelaufenen Pens habe ich im Sommer weggeschmissen und seither nicht daran gedacht, neue zu bestellen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch keine Lust, so viel verschiedenes Diabetes-Zubehör zu horten – kostet die Krankenkasse ja alles Geld und es wird nie aufgebraucht. Aber nun war ich die Gelackmeierte.

Spritzen raus

Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit mehreren kleinen Insulindosen per Spritze über die Nacht zu bringen. Ein Zehnerpack kleine Spritzen habe ich immer da. Also ließ ich mich alle zwei Stunden wecken, machte einen Blutzucker und korrigierte den Wert mit einem Bolus aus der Spritze. Das hat eigentlich ganz gut geklappt; die Blutzucker war bei jeder Messung ca. bei 170, auch beim Aufstehen.  Geht ja noch. Und das häufige Aufwachen bin ich als Mutter ja gewöhnt.

Mein lieber Mann hat die Pumpe heute früh bei der Praxis abgeholt. Und kam noch mit meiner Thermosflasche zurück, die ich auch da stehen gelassen hatte. Dabei halte ich mich gar nicht für eine Schusselsuse.
Dafür durfte ich mich heute Nacht wie ein Junkie fühlen.

Diabetiker, kennt Ihr das auch, das Junkie-Feeling? Und dann noch dieses blöde kleine Schuldgefühl, dass man nicht gut genug aufgepasst hat?

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